Hausmannskost und exotische Gewürze!

Hier und da habe ich es schon verlauten lassen, dass ich ein absoluter Fan von Hausmannskost bin. Am liebsten mag ich natürlich deutsche Hausmannsküche, aber zur Not tut’s auch die indische. 😉 Was mir an diesem Gericht so gut gefällt ist, dass es ein Schmorgericht ist und die Gewürze somit genug Zeit haben, sich zu entfalten. Dadurch ist es viel würziger und intensiver als diverse schnelle Currys, die ja durchaus ihre Berechtigung haben.

Indisches Hähnchen-Curry

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Zutaten für 4 Portionen: 3 Hähnchenfilets | 1 Zwiebel, fein gehackt | 2 Frühlingszwiebeln, in Ringe geschnitten | 4 Knoblauchzehen, fein gehackt | 1 EL frischen Ingwer, hackt oder gerieben | 2 EL Tomatenmark | 2 TL Kreuzkümmel (Cumin), gemahlen | 2 TL Kurkuma, gemahlen | 1,5 TL Koriander, gemahlen | 1 TL Cayennepfeffer | 2 TL Garam Masala | 750 ml Geflügenfond | 200 g passierte Tomaten | 100 ml Sahne | Butterschmalz oder Ghee zum Anbraten | Salz |

In einem Bräter die Hähnchenfilets in Butterschmalz anbraten. Herausnehmen und salzen. Zwiebeln und Knoblauch zusammen mit dem Ingwer und den Gewürzen, evtl. etwas Butterschmalz, unter ständigem Rühren anschwitzen. Tomatenmark kurz mitbraten. Anschließend passierte Tomaten, Sahne und Fond hinzufügen, umrühren, bis sich alles gut verbunden hat und die Filets hineinlegen. Die Hitze reduzieren und das Ganze bei geschlossenem Deckel ca. 1,5 Stunden vor sich hin köcheln lassen.

Dazu wird Naan-Brot gereicht. Und da das Gericht lange köchelt, hat man genug Zeit, selbiges zu backen. Ich sprech aus Erfahrung!

Für das Naan-Brot braucht man: 450 g Weizenmehl | 1 TL Salz | 1/2 TL Backpulver | 1 Pck. Trockenhefe | 150 g Joghurt | 125 ml Wasser | 3 EL Milch | 2 EL Öl |

Aus den Zutaten einen Hefeteig kneten und 30-60 Min. ruhen lassen. Den Teig portionieren (aus der Hälfte der Zutaten habe ich 6-7 Fladen bekommen) und möglichst dünn ausrollen. Eine Pfanne ohne Öl heiß werden lassen, Mehl von den Fladen abklopfen und in den Pfanne ausbacken, idealerweise einen Deckel drauf legen.

Was ich sonst noch sagen wollte: Statt der Filets kann man natürlich auch andere Hähnchenteile nehmen, das ist Geschmackssache. Ganz bestimmt kann man aber auch anderes Fleisch verwenden, Lamm, wer mag, oder auch Rind. Werde ich bestimmt mal ausprobieren. Das Hähnchen war sehr zart, man konnte es einfach mit der Gabel zerteilen. Die Gewürze, die für dieses Gericht nötig sind, hat wahrscheinlich nicht jeder zu Hause, sind aber typisch für die indische Küche. Das Anschaffen lohnt sich alle mal, da man sie gut und gerne auch für andere Gerichte hernehmen kann. Spannend ist, wenn man die Gewürze noch nicht gemahlen kauft. Dann sind sie intensiver im Geschmack und behalten ihr Aroma länger. Sie lassen sich gut im Mörser zerkleinern. Statt des Geflügelfond kann man auch Geflügelbrühe nehmen oder, so wie ich, Gemüsebrühe. Die habe ich nämlich immer vorrätig selbstgekocht im Haus. Außer Naan-Brot hat’s bei uns noch Reis zu dem Gericht gegeben, der kocht sich ja quasi von alleine. Und zum Neutralisieren Naturjoghurt. Uns hat es so gut geschmeckt, dass wir hin und weg waren – die leichte Schärfe und in die intensiven Gewürze, das butterweiche Fleisch! Mein Liebster wünschte sich das Gericht gleich noch mal hinter her. Aber wir machen jetzt erst mal eine Pause. Es gibt ja noch andere überaus leckere Hausmannsgerichte!

Bis bald, Anna

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Die Schöne an der Côte d’Azur!

Nicht nur das wir, ich weiß nicht zum wievielten Male, auf Korsika sein durften, wir haben auch noch versucht, alles mitzunehmen, was sonst noch unterwegs mitzunehmen war.

Meine kleine Schwester hatte so von Nizza geschwärmt, dass auch wir dem Nizza-Fieber erlegen waren. Die Tatsache, dass wir von Deutschland aus nichts gebucht hatten, hielt uns davon nicht ab, der Schönen an der Côte d‘Azur einen Besuch abzustatten. Eine Reisebuchung läuft bei uns in etwa so ab: mein Mann fragt mich ganz lieb, wohin ich denn gerne dieses Mal reisen würde. Ich äußere ganz lieb meinen Wunsch und schon setzt mein Liebster selbigen in die Tat um! Ich geb’s ja bereitwillig zu – ich bin schrecklich verwöhnt. Aber ich sag euch, dass kann manchmal auch nach hinten los gehen. Neulich, kurz vor den Ferien, sag ich so zu meinem Mann: „Wir könnten ja, wenn’s passt und wir Lust haben, in den Ferien an die Mosel in die Weinberge fahren!“ Und eh ich mich versah, war’s auch schon gebucht, obwohl ich eigentlich gar nirgends mehr hin wollte. So ist er nun mal!

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Zurück zu Nizza. Nachdem wir etwas mehr als zwei wundervolle Wochen auf Korsika verbracht hatten, hängten wir noch drei Tage Nizza dran. Wir legten mit der Fähre direkt in Nizza an und das Hotel, das mein Mann für uns ausgesucht hatte, hätte zentraler nicht sein können. Vielleicht war’s nicht das modernste, aber sehr sauber, sehr zentral und noch dazu erschwinglich, das einzige, was dem ganzen noch die Krone aufgesetzt hätte, wäre ein Pool gewesen. Aber dann wäre es auch gleich wieder teurer gewesen. Somit war es perfekt und wir würden jeder Zeit wieder im Hotel Helvétique absteigen.

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Das Hotel ist nur einige Meter  vom Place Massena entfernt. Von dort aus ist man auch gleich in der Altstadt. Es gibt nichts Schöneres als abends durch die engen alten Gassen zu flanieren und mit dem Strom zu treiben, ohne bestimmtes Ziel. So war es auch an unserem ersten Abend in Nizza, als wir beim Betreten der Altstadt,  uns auf einem kleinen Platz wieder fanden. Voll gestellt mit einfachen Holztischen und Hockern, saßen dort ziemlich viele Leute und an der Ecke stand eine lange Menschenschlange für irgendetwas an. Ein Mann hinter einer Scheibe schnitt in einer riesigen Kupferpfanne pikanten Kuchen zurecht, der hinter ihm in einem Holzofen gebacken wurde, und reicht ihn herüber. Es roch unwiderstehlich gut! Auf einer einfachen Tafel stand: Socca 3€! Was in aller Welt ist Socca? Monsieur Google weiß so etwas, den kann man fragen. Socca ist ein dünner knuspriger Kuchen aus Kichererbsenmehl und eigentlich ein Arme-Leute-Essen – Streetfood nach Nizza-Art. Wahnsinnig lecker, sehr authentisch und auf jeden Fall eine Empfehlung. Nach langem Anstehen nehmen wir Platz und ein sehr freundlicher Kellner bringt uns die Getränke.

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Am Nachmittag suchten wir eine Gelegenheit, einen Kaffee zu trinken. Nicht, dass es davon nicht genug gegeben hätte, aber ich bin da etwas wählerisch. Ich hab’s gern ein wenig besonders. Und wenn man da nicht auf Anhieb etwas findet, kann es sein, dass man dann die eine oder andere Runde läuft. Mein Mann muss da mit mir schon echt was mitmachen. Schließlich werden wir dann aber doch fündig (und belohnt) und entdecken einen kleinen Laden, in dem es handgemachte Kekse, Pralinen und Eis gibt. Ob der großen Auswahl wissen wir gar nicht, wofür wir uns entscheiden sollen! Billig ist es nicht, aber besonders 😉 .

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Am nächsten Tag wollten wir uns die Altstadt noch mal bei Tageslicht ansehen. Zuerst gönnen wir uns einen Kaffee und ein Schokoladen-Croissant. Auf die Empfehlung meines Arztes sollten wir unbedingt den Blumenmarkt besuchen (Ich hatte schon mal erwähnt, dass ich alles mache, was mein Arzt sagt! Als ich ihm später ein Foto vom Blumenmarkt mitbrachte, kannte seine Freude keine Grenzen. Ich dachte nur, wie kann man sich so über ein Foto freuen!?) Der Blumenmarkt ist tatsächlich ausgeschildert und so pilgerten wir gehorsamst zum Markt. Ich liebe Märkte! Der Blumenmarkt entpuppte sich als Wochenmarkt, wo nebst Blumen alles angeboten wurde, was das Herz begehrt. Allen voran Zucchini-Blüten, die, gefüllt, eine Nizzaer Spezialität sind. Leider konnten wir an dem Tag auf die Schnelle kein Lokal finden, das selbige auf der Speisekarte hatte. Ich hätte sie ja zu gerne probiert.

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Auf dem Weg zur Promenade de Angle laufen wir durch die Neustadt. Und obwohl es ein ziemlicher Kontrast zur Altstadt ist, mögen wir es auch hier sehr gern. Sie ist wirklich hübsch anzusehen. Auf der Promenade ist viel los: Autos, Menschen, Hunde, Fahrräder… Aber zum Glück ist sie auch breit und alle haben Platz und irgendwie ist es auch gar nicht voll. Wir schlendern ein wenig herum auf der Suche nach dem allerbesten Strandabschnitt. Verwöhnt durch die herrlichen Strände auf Korsika, kann der Strand in Nizza natürlich nicht mithalten. Da würde ich tatsächlich einen Pool vorziehen. Aber das mag auch Geschmackssache sein. Trotzdem breiten wir unsere Handtücher aus und kühlen uns im Wasser ab.

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Am Abend gehen wir ein letztes Mal in die Altstadt und besuchen die Plätze, die selbst in der Kürze der Zeit bereits zu unseren Lieblingsplätzen geworden sind. Der kurze Aufenthalt in Nizza hat sich gelohnt und um viele Eindrücke reicher, verlassen wir am nächsten Morgen die Schöne an der Côte d’Azur.

Bis bald, Anna

Herr von Ribbeck!

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Nach einem Sommer, wie man sich ihn nur wünschen kann, zeigt sich auch der Herbst von seiner allerschönsten Seite. Aus Nachbars Garten leuchten gold-gelbe Birnen zu uns herüber und ich kann nicht anders, als mühsam über den Zaun zu klettern und ein paar aufzulesen. Der Nachbar wohnt nicht hier und es ist zu schade um das reife Obst, das unbeachtet verkommt. Nach dem ersten Probieren bin ich hin und weg von den Früchten und sobald ich einige am Boden erblicke, kann auch der Zaun mich nicht daran hindern, welche zu holen. Inzwischen ist auch mein Liebster auf den Geschmack gekommen und auch her klettert willig über den Zaun.

Jedes Mal, wenn ich das Leuchten der köstlichen Birnen sehe, muss ich an Herrn von Ribbeck denken. Ich bin überzeugt, nicht nur ich kenne Herrn von Ribbeck. Zum ersten mal machte ich seine Bekanntschaft durch meinen Bruder – derselbe dem ich „Der Herbst steht auf der Leiter…“ zu verdanken habe. Einige Jahre später… mein Liebster, meine Begeisterung für Gedichte kennend, schenkte mir einen dicken Gedichteband. Und siehe da, hier traf ich Herrn von Ribbeck erneut. Und seit dem geht er mir nicht mehr aus dem Kopf. Erst recht nicht beim Anblick eines Birnbaums.

Zur Erinnerung und zum Kennenlernen!

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,

Ein Birnbaum in seinem Garten stand,

Und kam die goldene Herbsteszeit

Und die Birnen leuchteten weit und breit,

Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,

Der von Ribbeck sich beide Tasche voll,

Und kam in Pantinen ein Junge daher,

So rief er: „Junge, wiste ne Beer?“

Und kam ein Mädel, so rief er: „Lütt Dirn,

Kumm man rüwwer, ick hebb ne Birn.“

 

So ging es viel Jahre, bis lobesam

Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.

Er fühlte sein Ende. ´s war Herbsteszeit,

Wieder lachten die Birnen weit und breit;

Da sagte von Ribbeck: „Ich scheide nun ab.

Legt mir eine Birne mit ins Grab.“

Und drei Tage darauf, aus dem Doppeldachhaus,

Trugen  von Ribbeck sie hinaus,

Alle Bauern und Bündner mit Feiergesicht

Sangen: „Jesus meine Zuversicht“,

Und die Kinder klagten, das Herze schwer:

„He is dod nu. Wer giwt uns nu ne Beer?“

 

So klagen die Kinder. Das war  nicht recht –

Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;

Der neue freilich, der knausert und spart,

Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.

Aber der alte, vorahnend schon

Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,

Der wusste genau, was damals er tat,

Als um eine Birn ins Grab er bat,

Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus

Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

 

Und die Jahre gehen wohl auf und ab,

Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,

Und in der goldenen Herbsteszeit

Leuchtet’s wieder weit und breit.

Und kommt ein Jung übern Kirchhof her,

So flüstert’s im Baume: „Wiste ne Beer?“

Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: „Lütt Dirn,

Kumm man röwer, ick gew di ne Birn.“

 

So spendet Segen noch immer die Hand

Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

 

Bis bald, Anna

Eine Zugfahrt die ist lustig!

 

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Der Zug, der von Calvi nach Ile Rousse fährt, ist ein Relikt aus alter Zeit und der letzte seiner Art. Es gibt inzwischen auch einen neueren, aber mindestens ein mal muss man mit diesem gefahren sein. Langsam schnauft er sich mit den seltsamsten Geräuschen, mit Ruckeln und Schaukeln die Gleise an der Küste entlang. Die Fenster sind meistens geöffnet, es ist heißt und voll und abenteuerlich. Entdeckt man zwischen durch einen Strand, der einem sehr gefällt, kann man spontan den Schaffner bitten und der Zug hält extra für dich. Manchmal wartet der Zug auch an der Haltestelle, bis der letzte Tourist sein Foto gemacht hat. Der Schaffner ist stets sehr bemüht um seine Passagiere und wenn nötig informiert er dich, wenn deine Haltestelle kommt. Die Fahrkarte kann man direkt bei ihm kaufen und wenn nicht, läuft er für dich zum Bahnhofsgebäude und besorgt dir dort eine. So viel Hilfsbereitschaft und Zuvorkommen ist mir bei der Bahn noch nie begegnet.

Jedesmal, wenn wir nach Korsika kommen, sagen wir: „Nach Ile Rousse brauchen wir dieses mal nicht zu fahren, da kennen wir schon alles!“ Und irgendwie fahren wir trotzdem jedes mal dorthin. Dieses Jahr wieder mit dem Zug, da wir eh schon ein Ticket hatten, aber das erzähl ich später. Die Zugfahrt war wie immer und wir haben sie genossen. Und während wir durch die engen Gassen liefen, entdeckten wir etwas, das wir noch nicht kannten. Passiert uns aber öfter. Wir gelangten auf einen kleinen Platz, der größtenteils mit Sonnenschirmen und Tischen belegt war, aber links davon standen auch zwei Tische unweit einer unscheinbaren Tür mit einem Schild „Biscuiterie artisanale“, was so viel bedeutet wie Plätzchenbäckerei. Was gibt es schöneres als Plätzchen direkt aus der Backstube und dazu ein duftender Espresso?! Ein kleiner Tip am Rande: solltet ihr einmal das Vergnügen haben, nach Korsika zu kommen, dann haltet nach solchen „Handwerksbetrieben“ Ausschau. Sie sind meist sehr originell und urig-rustikal, oft günstiger und man bekommt etwas von echter Handwerkskunst mit.

Hier in der Biscuiterie war es so, dass die Inhaber, wohl ein Ehepaar, sowohl hinten in der Backstube beschäftigt waren und gleichzeitig Kunden in ihrem kleinen niedlichen Laden bedient hatte. Er sah so aus, als hätte er noch bis eben seine Canistrelli gebacken und sie hatte gerade noch die kleinen Köstlichkeiten eingetütet. Als ich den Kaffee bestellte, ging sie direkt in die Backstube, wo anscheinend der Kaffeeautomat stand und brachte mir zwei Espressi und für jeden zwei Canistrelli unterschiedlicher Geschmacksrichtung. Obwohl es improvisiert wirkte, war es doch liebevoll und besonders. Im Schatten einer großen Platane genossen das Handwerk und die Freundlicher dieser Menschen.

 

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Aber wie kam es, dass wir schon im Besitz eines Zugtickets waren? Mehr oder weniger per Zufall, erfuhr mein Liebster, dass man für 50 € eine Fahrkarte kaufen kann, mit der man eine Woche lang in sämtlichen Zügen auf Korsika unterwegs sein kann. Wir rechneten es kurz durch und entschieden uns eine solche zu erwerben.

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Unsere erste Fahrt führt uns nach Ajaccio. Dafür müssen in aller Früh aufstehen, um rechtzeitig am Bahnsteig zu sein. (Wozu braucht man einen Bahnhof? Ist eh völlig überbewertet! 🙂 ) Der neue Zug bringt uns zunächst nach Ile Rousse. Gemütlich tuckern wir durch die Landschaft, beobachten den Sonnenaufgang, das Meer und das morgendliche Erwachen. Von dort geht’s in die Inselmitte nach Ponte Leccia. Ein kleiner verschlafener Ort und hier gibt es tatsächlich ein Bahnhofsgebäude, klein und unscheinbar, obwohl das hier ein Knotenpunkt ist. Unser Zug geht weiter nach Bastia und wir müssen einmal umsteigen, um runter nach Ajaccio zu kommen. Und dann fahren wir durch eine mächtige Bergwelt, die man unten am Strand lediglich erahnen kann, von der man aber keine Vorstellung hat. Viele Wanderer steigen aus und ein, denn die Gegend hier gilt als Wanderparadies. Wir sind sehr beeindruckt und froh, die Fahrt unternommen zu haben, denn mit dem Auto fährt man eine ganz andere Strecke.

Als wir in Ajaccio ankommen ist es ca. 11 Uhr und bedeckt und wir hoffen, dass es bleibt so, aber die Sonne setzt sich durch und es ist für einen Stadtbesuch eigentlich zu warm. Nichtsdestotrotz lassen wir uns mit der Menge treiben, denn hier gibt es haufenweise Touristen. Ajaccio ist übrigens die Hauptstadt der Insel und Napoleons Geburtsort. Das Haus steht noch und kann als Museum besichtigt werden. Da wir das Haus und seine Geschichte bereits kennengelernt haben, damals mit deutliche weniger Touristen, nehmen wir lieber im Schatten Platz und trinken was Gekühltes, denn bei der Wärme steht uns der Sinn mehr nach trinken als nach essen.

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Der Zug fährt nur einmal am Tag hin und zurück, und so sind wir rechtzeitig am Bahnhof, um die Rückfahrt anzutreten. Das frühe Aufstehen macht sich jetzt bemerkbar und wir hängen ein wenig in unseren Sitzen. Wieder geht es hinauf in die Berge und dann hinunter zum Meer. Ohne umzusteigen können wir direkt nach Calvi durchfahren. Es war ein langer Tag, aber es hat sich definitiv gelohnt.

Zwischendurch fahren wir nach Ile Rousse und dann wollen wir unbedingt noch nach Bastia. Die Abfahrtszeit ist die gleiche wie nach Ajaccio auch, nur das wir in Ponte Leccia nicht umsteigen müssen und das dieses mal der alte Zug kommt. Die Strecke von Ponte Leccia nach Bastia ist nicht so spektakulär  wie nach Ajaccio, aber auch nicht so lang. Als erstes gelangen wir auf den Place Saint Nicolas, das Herz der Stadt, umsäumt von Palmen und Platanen. In unmittelbarer Nähe befindet sich der neue Hafen, von wo wir schon einige male auf die Fähre gegangen sind. In der Touristeninformation bekommen wir ein Prospekt, wie man zu Fuß die Altstadt, die Terra Vecchia erkunden kann. Genau das tut wir auch. Gleich neben dem alten Hafen, der heute als Yachthafen dient, beginnt der Stadtteil Terra Vecchia. Man darf sich von den alten Häusern mit dem bröckelnden Putz nicht irritieren lassen: innen drin kann man die modernsten Wohnungen vorfinden. Aus dem Häusermeer erwächst das Wahrzeichen der Stadt: Die  doppeltürmige Barock-KircheÉglise Saint Jean Baptiste.
Hinter der Kirche erstreckt sich der Rathausplatz, Place de l’Hôtel de Ville, der das Zentrum der Altstadt bildet. Beeindruckt schlendern wir zuerst das Hafenufer entlang, eine breite hübsch angelegte Treppe hinauf, durch einen wunderschönen schattigen Garten und weiter durch enge steile Gassen und gelangen so irgendwann nach Terra Nova. Über dem alten Hafen thront die Zitadelle.  Im Inneren der Burg befindet sich der Palais des Gouverneurs.

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Wir sind sehr beeindruckt und fasziniert von Bastia. Die Investition in das Zugticket hat sich mehr als gelohnt.

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Solltet ihr jedoch auf Korsika Lust bekommen, ein Eis zu essen, dann sparrt euch das Geld für einen Eisbecher lieber für etwas anderes. Von ein oder zwei Kugeln in Waffel oder Becher hat man deutlich mehr. Die Eisbecher, so viele wir bis jetzt auch probiert haben, war jedes mal pappsüß und kein bisschen lecker! 😦 Dafür aber die Canistelli! Am liebsten mit Salzkaramell.

Bis bald, Anna

Samstagsodyssee!

Für den Sonntag erwarteten wir Besuch. Ich freute mich darauf und überlegte, was sich wohl gut vorbereiten ließe. In Gedanken ging ich sämtliche Rezepte durch und blieb bei Cannelloni hängen. Das könnte ich gut einen Tag vorher schon zubereiten und am Sonntag für das Mittagessen nur noch mit Käse überbacken. Cannelloni, gefüllt mit Mangold und Ricotta in Hackfleisch-Tomaten-Soße sollten es werden. Ich sah die Zutatenliste durch und kaufte, was noch fehlte, ein. Sehr erleichtern erwischte ich gerade noch die letzte Packung Cannelloni im Ladenregal, außerdem noch Ricotta und stückige Tomaten für die Soße.

Hochmotiviert machte ich mich am späten Nachmittag ans Kochen. Als mein Liebster meine Cannelloni-Röllchen sah, hielt er sie für viel zu wenig. Ich versuchte ihm zu erklären, dass es im Laden die letzte Packung war. Daraufhin versicherte er mir, er sei in max. einer halben Stunde mit Cannelloni wieder. Ich fand es übertrieben, wegen ein paar Nudeln in die nächste Ortschaft zu fahren, ließ mich dann aber doch überzeugen, zumal es ja nichts Schlimmeres gibt, als wenn die Gäste nicht satt werden. Mein Liebster machte sich auf den Weg, während ich schon mal die Soße zubereitete.

Er sollte Recht behalten – in knapp 30 Min. war er wieder da und hatte bei der Gelegenheit auch gleich noch Ricotta mitgebracht, weil der ja dann zwangsläufig bei mehr Nudeln auch nicht reichten würde. Den Mangold hatte ich zum Glück schon am Vormittag vorbereitet und nun stand der weiteren Vorbereitung nichts mehr im Wege. In trauter Zweisamkeit befüllten wir ein Röllchen nach dem anderen und es ging wie geschmiert. Bis wir feststellten, dass uns die Füllung doch nicht reicht.

Kein Mangold mehr und auch kein Ricotta mehr im Haus! Nun war guter Rat teuer. Mein Liebster zog ein weiteres Mal los. In der Zwischenzeit hackte ich getrocknete Tomaten und Oliven, und zusammen mit dem Ricotta ergab es eine ganz schmackhafte Füllung. Stunden später kam endlich das Ende der Vorbereitungen in Sicht. Ein ganzes Blech voll lecker gefüllter Cannelloni stand vor uns bereit für seinen morgigen Einsatz. Zweieinhalt Packungen Cannelloni und 5 Becher Ricotta hatten wir verarbeitet!

Am nächsten Tag bekamen unsere Gäste Cannelloni mit zweierlei Füllung serviert, als hätte nie irgendjemand etwas anderes vorgehabt. Von unserer Samstagsodyssee ahnten sie nichts!

Und von einem Blech Cannelloni blieb ein halbes übrig. War dann doch zu viel! Nach zwei Tagen war von dem Cannelloni-Schmaus nichts mehr übrig.

Bis bald, Anna

Die schönste aller Inseln!

 

Letztes Jahr haben wir ja eine für uns neue Insel erkundet  – La Palma. Dieses Jahr sollte es wieder Korsika sein. Und in absoluter Mehrheit (eigentlich sind wir nur zur zweit 😉 ) stellten wir fest, dass so schön und abwechslungsreich La Palma auch ist, mit Korsika kann sie leider nicht mithalten. Aber ich glaube, nachdem Korsika gleich beim ersten Besuch unsere Herzen im Sturm erobert hat, hat keine andere Insel auch nur den Hauch einer Chance. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass es uns spätestens nach zwei Jahren wieder dort hinzieht.

In Livorno im Hafen konnten wir recht günstig auf der Fähre übernachten und auch während der Überfahrt noch unsere Kabine nutzen. Wir lagen noch gemütlich in den Kojen als die Fähre ablegte und hatten genug Zeit zum Aufstehen und Frühstücken, um in aller Ruhe die Kabine zu verlassen und uns zum Auto zu begeben. Das hat uns so gut gefallen und war so entspannt, dass wir diese Möglichkeit beim nächsten Mal vorziehen werden.

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Es war schon Mittag als wir in Bastia ankamen und früher Nachmittag als wir dann endlich Calvi erreichten. Es konnte uns nicht schnell genug gehen, unser Gepäck in der Wohnung zu verstauen, um uns dann endlich im türkisblauen Wasser abzukühlen. Als wir mit den Handtüchern unterm Arm durch den Pinienwald zum Strand stapften, rochen wir diesen typischen Duft von Harz und Wärme und im selben Augenblick war ich „angekommen“. Das ist nicht immer so, aber dieses Mal schon.

Der Tag beginnt für uns damit, dass mein Mann als erster wach wird. Das ist ausschließlich auf Korsika, zu Hause wird er nie vor mir wach. Das muss an der Insel liegen. Dann geht er schon mal runter zum Bäcker, der in seiner winzigen Backstube allmorgendlich seine Brioche und Croissants backt. Wenn er Glück hat, habe ich mich bis er kommt schon aus meiner Decke geschält, ansonsten kann es auch schon mal vorkommen, das nicht. Auch das ist nur auf Korsika so. 😉 Mit Kaffee, frischen Brioche und Feigenmarmelade auf dem Balkon mit Blick auf’s Meer lässt sich’s aushalten. Jeden Morgen zelebrieren wir unser Frühstück.

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Erst am frühen Nachmittag gehen wir zum Strand. Manchmal gehen wir auch vormittags, aber dann nur um ins Wasser zu tauchen, sich zu erfrischen und einen klaren Kopf zu bekommen. Als ich das allererste Mal meine Zehen ins Wasser stecke, bin ich überrascht, wie warm es ist. Je tiefer ich hineingehe desto kühler wird. Wir bleiben am Strand bis wir Hunger bekommen. Einmal holt mein Mann uns Pommes direkt an den Strand und wir bleiben und beobachten wie die Sonne ins Meer sinkt. Es ist friedlich und still.

Kaum auf Korsika angekommen jährt sich unser Hochzeitstag zum 22. Mal. Wieder hat mein Mann Leckereien beim Bäcker geholt und auch schon Kaffee gekocht. Dann entführt er mich unter die Pinien. In ihrem Schatten genießen wir den Morgen und den Moment. Es ist nichts Besonderes und doch wunderschön.

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Wir haben uns einen neuen Reiseführer gekauft und Einiges vorgenommen. Aber von all dem machen wir eigentlich gar nichts, stattdessen unternehmen wir ganz Anderes und wieder einmal stellen fest, wie wenig wir bisher selbst in der nahesten Umgebung erkundet haben.

Unser erster Ausflug führt uns durch die Castagniccia. Das ist eine üppig grüne Hügellandschaft, der die Edelkastanie ihren Namen gibt. Wir fahren durch den Kastanien- und Eichenwald und können uns an der Vielfalt und dem Grün nicht satt sehen. Da die Straßen auf Korsika sehr kurvig sind, ist schnelles Fahren eh nicht drin und so lassen wir uns Zeit. Kletter- und Schlingpflanzen hängen von den Bäumen herunter und es muten ein wenig urwaldmäßig an. Wir begegnen glücklichen freilaufenden Kühen und Ziegen und müssen warten, bis sie uns die Straße frei machen. Aber wir haben’s zum Glück nicht eilig.

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In Morosaglia machen wir einen Zwischenstopp. Es ist der Geburtsort von Pascal Paoli, dem Nationalheld Korsikas und dem eigentlichen „Erfinder“ der Demokratie. Wir haben Glück und das kleine Museum zu Ehren Pascal Paoli hat geöffnet. Unser Französisch besteht aus einigen mehr oder wenigen Substantiven, aber die reizende Dame am Eingang weiß, was zu tun ist. Sie führt uns in einen Raum, ganz im Stile des Museums, und schaltet für uns einen Film über das Leben des Helden in Deutsch an. Es ist sehr informativ und aufschlussreich. Dann zeigt uns die reizende Dame noch die kleine Kapelle nebenan, in der Pascal Paoli beerdigt wurde. Es hat sich gelohnt und wir sind einmal mehr einem freundlichen Menschen begegnet.

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Einmal noch halten wir zur Mittagszeit an, aber mitten in unserem Picknick werden wir vom Regen überrascht und müssen zusehen, dass wir nicht nass werden.

Schon fast an der Ostküste angekommen werden wir von deutschen Urlaubern angehalten und nach einem Wasserfall gefragt, aber wir haben keine Ahnung. Mein Mann ist aus dem Bauch heraus eine andere Straße nach San Nicolao abgebogen und rein zufällig ist es die Straße zum Wasserfall. So kommen wir ganz unverhofft in den Genuss, einen rauschenden Wasserfall zu bewundern.

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Wir fahren nur kurz hinunter bis zum Strand, machen einen kleinen Schlenker zu Fuß und dann auch wieder zügig auf den Rückweg. Da es noch nicht all zu spät ist, beschließen wir einen Abstecher nach Lama zu machen, es liegt quasi auf dem Weg. Es ist eines der typischen Bergdörfer – jede Straße führt höher hinauf und dem entsprechend ist jede Aussicht, die man von hier genießt schöne wie die andere. Am Eingang des Dorfes nehmen wir in einem Restaurant Platz und haben einen unbezahlbar schönen Ausblick! Vor uns tut sich ein Tal mit weichen grünen Hügeln auf, rechts und links davon die Berge und am Ende das Meer, über dem die Sonne bereit ist unterzugehen. Ein krönender Abschluss für einen unvergesslichen Tag!

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Bis bald, Anna

Rückblick Nr. 2

 

Einen Rückblick hat’s bereits Anfang des Jahres gegeben. Doch inzwischen ist so viel Zeit vergangen, dass es vielleicht gar keine schlechte Idee ist, mit einem Rückblick zu starten.

Ziemlich ruhig war’s hier in den letzten Wochen und Monaten. Doch ziemlich viel ist in dieser Zeit passiert. Und das ist auch der Grund, warum der Blog in dieser Zeit auf der Strecke geblieben ist. Doch jetzt nach drei Wochen Urlaub fühle ich mich erholt und zu neuen Taten bereit. Aber alles schön der Reihe nach. Was  war also in der Zwischenzeit los?

Zunächst hat meine Schwester einem zuckersüßen kleinen Jungen das Leben geschenkt. (Einige Familienmitglieder würden an dieser Stelle protestieren: „Nicht ‚süß‘ sagen!“) Nachdem das letzte Familienbaby bereits 4 Jahre alt ist, hatten wir alle das Bedürfnis nach neuem Zuwachs. Und was soll ich sagen? Auf die Familie ist Verlass! Nun haben wir wieder jemanden zum Knuddeln. Zu unser aller Leidwesen wohnt die junge Familie nicht gerade um die Ecke und wir bekommen den Kleinen selten genug zu sehen.

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Doch zum Sehen und Knuddeln boten sich gleich zwei große Ereignisse: zwei Hochzeiten – eine Ende Mai und die andere Ende Juni! Hatten wir noch bei der Hochzeit letztes Jahr Mühe, gute Ideen zu finden, so war es dieses Jahr schon fast ein Selbstläufer, wäre es nur nicht so anstrengend, die Ideen in die Tat umzusetzen. Die Erfahrungen vom letzten Jahr haben uns gelehrt, unsere Kräfte besser zu bündeln und Fehler nicht zu wiederholen. Unterstützt wurden wir von einem hochmotivierten fabelhaften Küchenteam und unzähligen engagierten freiwilligen Helfern. Überhaupt wäre so eine Hochzeit ohne diese Helfer gar nicht möglich. Und an dieser Stelle möchte ich ganz bewusst meinen Respekt und Dank diesen Menschen gegenüber zum Ausdruck bringen. Alle diese wunderbaren Menschen sind Teil unserer Kirchengemeinde hier am Ort und es ist so schön, dass es sie gibt.

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Rückblickend freue ich mich über zwei wundervolle Feste, die ich trotz aller Aufregung in vollen Zügen genossen habe. Auch wenn nicht alles perfekt gelaufen ist, aber was ist schon perfekt?! Letzten Endes geht es um zwei Menschen, die geloben einander treu zu sein in guten und in schlechten Tagen bis der Tod sie scheidet. Menschen, die noch an die große Liebe glauben und es darum wagen, sich auf einander einzulassen, die gewillt sind, einander treu zu bleiben komme was da wolle und für die Scheidung keine Option ist. Und hinter all dem steht Gott selbst, der die Ehe erfunden hat und der gesagt hat: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.“ Weil Gott der Urheber der Ehe ist, weiß er auch wie Ehe funktioniert und kann helfen, dass Ehen nicht scheitern, sonder trotz allem fortbestehen und gelebt werden.

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Zwischen den Hochzeiten habe ich noch als Betreuer an einer Kinderfreizeit teilgenommen und meinen Job bei der Bäckerei gekündigt. Da ich seit Herbst 2016 in der Nachmittagsbetreuung der Schulkinder tätig bin, genieße ich jetzt meine Ferien und sammle Kräfte für das neue Schuljahr.

Meiner Meinung nach kann nirgendwo besser Kräfte sammeln als auf Korsika. Aber dazu bald mehr.

 

Bis bald, Anna