Pikante Krautwickel und feinster Tee!

Der November präsentiert sich so, wie er im Buche steht: trüb, neblig und nass. Vor ein paar Tagen habe ich die letzten Tomaten abgepflückt und ein bisschen im Garten aufgeräumt. Ich habe es regelrecht genossen, sowohl den Novembertag als auch die Arbeit und dachte mir, was ist doch der November schön! Nur um mich kurz darauf beim Wasserholen für die Hühner, der Länge nach hinzugelegt. Nur gut, dass das Wasser irgendwie in eine andere Richtig kippte als ich. So blieb ich wenigstens trocken. Zum Glück waren die Hühner gerade drinnen, sonst die haben auch immer zu allem eine Meinung. So konnte ich heimlich wieder aufstehen und so tun, als wäre nichts gewesen. 😉

Ich habe schon ein paar Lichter aufgehengt und nachmittags zünde ich Kerzen an. Eine Tasse Tee tut das Übrige. Und schon sind wir bei meinem Versprechen, das indische Tee-Rezept zu verraten! Hier nun die Zutaten für den Masala chai und dessen Zubereitung. Allerdings gibt es kein festes Rezept noch eine spezielle Zubereitungsmethode. Jede indische Familie hat ihr eigenes Rezept.

Man nehme eine Teekanne und tue dort 3 Kardamomkapseln (zerstoßen oder eingeritzt), 3 Gewürznelken, ein halbe Stange Zimt und 2 gestrichene Teelöffel losen schwarzen Tee hinein (optional noch etwas Ingwer und/oder Fenchelsamen). Anschließend übergieße man den Tee und die Gewürze mit 2 Tassen kochendem Wasser. Auf einem Stövchen lasse man es 10 Minuten ziehen. Danach etwas Milch dazu geben und weitere 2 Minuten ziehen lassen. Nach Wunsch kann den Tee etwas süßen.

Man sagt, in Indien fängt ein guter Tag mit einer Tasse Tee an. Und zwar mit einem köstlichen Masala Chai. Er nehme die Müdigkeit der Nacht weg und wärme Kopf und Körper auf. Warum also nicht auch am Nachmittag!?

Da wir nun schon mal bei Rezepten und Zubereitung sind, möchte ich unbedingt noch über die Krautwickel plaudern. Man nennt sie auch Kohlrouladen, aber Krautwickel klingt irgendwie charmanter. Vor einiger Zeit noch mochte ich diese Dinger nicht. Irgendwie war da immer zu viel Kraut und zu wenig Füllung. Mir scheint jedoch, dass auf des Rätzels Lösung gestoßen bin. Das Geheimnis besteht meiner Meinung darin, dass man die Wickel recht klein wickelt und dafür lange schmort. Ich hab’s jetzt zweimal ausprobiert und siehe da, sie schmecken mir! Die Zutaten sind kein bisschen ausgefallen und passen perfekt in die Saison.

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„Krautwickel/Kohlrouladen“

Für 3-4 Personen

500 g Gehacktes halb/halb

1 Zwiebel, gehackt

5-6 EL rohen Reis

1 Ei

1 Hand voll geh. Petersilie

1 kleiner Kohlkopf (Wirsing, Spitzkohl…)

½ rote Paprika

1 Möhre

½ Zwiebel

1 Chilischote (kann man auch weglassen, aber sie gibt der Soße eine angenehme pikante Note)

1 EL Tomatenmark

200 ml Sahne

200 ml Gemüsebrühe evtl. etwas mehr

Salz, Pfeffer

Zuerst löse ich vorsichtig die einzelnen Blätter vom Kohlkopf und blanchiere sie (ich tauche sie in einen Topf mit kochendem Wasser, nehme sie wieder heraus und lasse sie in einem Sieb abtropfen). Solange die Blätter etwas abkühlen, bereite ich die Hackfleischmasse zu. Das Gehackte vermenge ich mit der gehackten Zwiebel, dem Ei, dem Reis, der Petersilie, Pfeffer und Salz. Dann geht’s ans Wickeln. Ich nehme ein Kohlblatt, halbiere es und schneide dabei die mittige Blattfaser heraus. Etwas von der Hackmasse lege ich an den unteren gerade Rand (da, wo ich das Blatt halbiert habe) und wickle es eng auf, wobei ich den anderen Rand einschlage. Somit habe ich ein offenes und ein geschlossenes Ende. Keine Sorge, es fällt nichts heraus.

In einer Pfanne zerlasse ich etwas Butterschmalz und brate die Krautwickel von zwei Seiten an. Während dessen hacke ich die Zwiebel und die Chilischote, schneide die Paprika in Würfel und raspel die Möhre. Ich nehme die Krautwickel aus der Pfanne und brate das Gemüse an. Dann schiebe ich das Gemüse an die Ränder, röste in der entstandenen Mitte das Tomatenmark und löse es in etwas Brühe auf. Nachdem ich die restliche Brühe und die Sahne hinzugefügt, lasse ich es aufkochen und schmecke es ab. Obacht, es sollte etwas zu wenig gesalzen sein, weil die Soße noch etwas einreduziert und dann eventuell zu salzig ist. Ich lege die Wickel hinein und wenn etwas Hack übrig ist rolle ich daraus Bällchen und lasse sie mitschmoren. Sind noch Kohlblätter übrig, wie beim letzten Mal, dann schneide ich sie etwas klein, lege sie oben drüber und lasse sie ebenfalls mitschmoren. Deckel drauf und dann lasse ich die Wickel für 1 ½ Stunden dort. In der Halbzeit werden sie lediglich einmal gewendet.

Vielleicht habe ich die/den ein oder anderen auf den Geschmack gebracht und es werden in der nächsten Zeit begeistert Kohlrouladen gewickelt!

Viel Freude und guten Appetit!

Bis bald, Anna

PS: Mit Schrecken stelle ich fest, dass schon wieder 2 Wochen seit meinem letzten Beitrag verflossen sind. Wie die Zeit rast!!!

 

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Der schönste Herbst aller Zeiten!

Die paar goldenen Tage, die der Oktober uns beschert hat, haben wir noch geschafft, ein wenig zu genießen. Ich habe endlich meine Schwester im Bergischen besuchen dürfen, denn alle vorherigen Versuche sind kläglich gescheitert. Wir hatten eine schöne Zeit und während die Beiden am Montag zu ihrem Job mussten, tuckerten wir fröhlich und entspannt die deutsche Fachwerkstraße entlang. Kann ich nur empfehlen. So schöne Fachwerkhäuser habe ich noch nie gesehen und ich habe schon einige gesehen! In der entzückendsten aller Ortschaft hielten wir für eine Brotzeit. Bei traumhaft schönem Wetter saßen wir im Hof eines Landgasthofes und genossen einen herzhaften Salat vom Feinsten. Man trifft selten auf so ausgewählten Geschmack, sowohl bei der Deko als auch bei den Speisen.

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Aber jetzt ist es endgültig Herbst geworden. Die Tage sind deutlich kürzer geworden und bald werden wir die Uhr umstellen. Unser Hausbaum hat schon alle seine Blätter verloren. Der Apfelbaum versucht noch mit letzter Kraft, die seinen festzuhalten, aber am Ende wird auch er klein beigeben müssen. Ein feuchter Wind pfeift um die Ecke und ich bin dankbar, ein warmes und trockenes Haus zu haben.

Mit den verregneten und dunklen Tagen habe ich so richtig Freude dran, herzhafte Gerichte zu kochen und würzigen Tee zu trinken. Apropos Tee!

 

Letztes Wochenende waren mein Mann und ich auf einer christlichen Konferenz. Wir haben die schon öfter besucht und jedes mal neue Leute kennen gelernt, viel Information bekommen, sehr motiviert worden und viele Eindrücke mitgenommen. Am Samstagabend findet traditionell ein Bücherbasar statt. Vorne auf der Bühne werden Unmengen an Bücher aufgestapelt, alle heiß begehrte und dem entsprechend lang ist jedes mal die Schlange der Anstehenden. Ich stehe also an und eine, mir bereits bekannte Frau, die ebenfalls ansteht, erzählt mir von einer anderen jungen Frau, die in Indien lebt und darüber einen Blog schreibt. Diesen Blog habe ich dann zu Hause auch schnellstens ausfindig gemacht. Während die junge Frau über das Leben in Indien berichtet, schreibt sie auch ein wenig über die Tee-Kultur dort und verrät ein Tee-Rezept. Und obwohl ich bekennender Fenchel-Tee-Fan bin, kann ich nicht widerstehen, diesen Tee auszuprobieren. Ich bin begeistert! Meiner Meinung nach der ultimative Winter-Tee.

 

Aber nicht nur das. Wir lernen auch das Ehepaar Wagner kennen. Eigentlich haben wir schon beim letzten Mal ein paar Worte mit ihnen gewechselt. Aber weil wir dieses Mal etwas Konkretes von ihnen wollen, spricht mein Mann den Herrn Wagner direkt an. Herr und Frau Wagner führen den Schwengeler-Verlag und drucken die beiden Zeitschriften „Ethos“ und „Faktum“. Es ist einer Freude, sich mit diesen beiden Menschen zu unterhalten – bescheiden und zugewandt, mit Gott als Lebensmittelpunkt ihres Lebens. Wir bitten um eine größere Menge der beiden Zeitschriften zum Verteilen. Sehr großzügig werden uns so viele Exemplare überreicht, wie wir wünschen. Und zum Schluss, als eine besondere Freundlichkeit, bekommen wir eine kleine Schachtel mit 10 Faltkarten  aus dem eigenen Grafikstudio geschenkt.

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Kurz zu den beiden Zeitschriften.

„Ethos“ ist die jüngere und wird seit 1983 herausgegeben. Es ist eine Familien-Zeitschrift, in der für jeden etwas dabei ist.

„Faktum“ ist eine wissenschaftliche Zeitschrift und setzt sich mit Evolution oder Schöpfung auseinander. Sie ist etwas anspruchsvoller, aber trotzdem für jemand ohne höhere Bildung verständlich.

Und wenn wir schon beim Thema Herbst sind: wäre eine Zeitschrift da nicht genau das Richtige?!

Dass dieser Herbst für mich besonders schön ist – ich weiß nicht woran das liegt. Ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals sagen würde!

Bis bald, Anna

 

 

PS: Mit dem Tee-Rezept müsst ihr euch noch ein wenig gedulden. 😉

Der ungewöhnlichste Fund!

Es war zwischen sechs und halb sieben. Ich hatte den Laden so weit fertig und war auf dem Weg zum Auto, um die Körbe, Bleche und Ständer einzupacken. Der wohlverdiente Feierabend winkte schon! Als ich die Gasse zum Parkplatz entlang laufe, höre ich ein Geräusch, das ich zunächst nicht zuordnen kann. Da sehe ich, wie ein paar Schritte vor mir ein Mann ein kleines rotes Kätzchen aufhebt. Ich kenne den Mann, er ist ein Kunde von mir. Ich hole ihn ein und wir wechseln ein paar Worte. Er will das Kätzchen erstmal mitnehmen und sich darum kümmern. Ich bin erleichtert! Ich hätte es nicht über’s Herz gebracht, das Kätzchen in der hereinbrechenden Dunkelheit zurück zu lassen. Als der Mann jedoch sieht, dass das Kätzchen blutet, stellt er es wieder ab. Das sei ihm zu heikel. Jetzt kann ich das Kätzchen erst recht nicht da lassen. Doch eigentlich wollen wir keine neue Katze! Tausend Gedanken jagen durch meinen Kopf und einer kehrt immer wieder und übertönt alle anderen: erstmal mitnehmen und dann weiter sehen!

Ich rufe meinen Mann an. Ich habe großes Glück, denn er ist gerade auf dem Weg nach Hause und ich kann ihn überreden, bei mir vorbei zu kommen und das Kätzchen mitzunehmen. Er ist skeptisch, aber er nimmt es mit.

Als ich wenig später auch zu Hause eintreffe, hat mein Liebster sich schon ein wenig um das Kätzchen gekümmert. Es blutet aus der Nase und hat eine verletzte Oberlippe, außerdem zittert es am ganzen Leib. Ich tupfe ihm sein Schnäuzchen ab. Wir stellen ihm Futter hin, aber er sitzt ganz verstört im Körbchen und schläft nach einer Weile ein.

Am nächsten Morgen springt uns das Kätzchen quietsch-fiedel entgegen. Die Nase ist geputzt und das Futter fast bis auf den letzten Krümel leer gegessen. Neugierig erkundet es das Haus und hat blitzschnell kapiert, dass es zum Geschäfte machen in den Keller muss. Ich würde es auf der Stelle behalten, wenn da nicht unsere Abmachung wäre, dass wir erst mal keine kleinen süße Kätzchen bei uns aufnehmen.

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Derweil hat mein Mann an der Arbeit von meinem Fund erzählt. Auch, dass ich mich bei der Tiernothilfe um den Verbleib des Kätzchens kümmert wollte. Hat er sich zu Beginn noch hundertprozentig darauf verlassen, dass ich es auch tun werde, so haben ihn die Kolleginnen im Laufe des Tages ziemlich verunsichert. Am Ende ist er wirklich skeptisch, ob mir nicht doch noch ein Argument eingefallen ist, das Kätzchen zu behalten. Bei Frauen weiß man nie!

Doch ich habe mich brav um alles gekümmert. Ich genieße die Anwesenheit des kleinen Tieres. Es ist aber auch zu putzig! Und ein rot-weißes Fell hat es auch! Es erinnert mich sehr an meinen Kater. Als mein Mann zur Tür herein kommt, ist das Kätzchen gerade vor einer Minute abgeholt worden. Er ist erleichtert! 😉

 

Später erfahre ich, dass sich über die Tiernothilfe die Besitzer gefunden haben. Na dann ist ja alles wieder gut! Geblieben sind eine schöne Erinnerung und ein paar Fotos.

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Bis bald, Anna

Kleine Diven!

Was ist klein, rund, zart, weich und überaus köstlich? Da kommt man nie drauf! Macarons! Die kleinen Dinger wollen äußerst divenhaft behandelt werden, obwohl die Zutaten sehr einfach sind und die Handhabung scheinbar nicht schwer ist.

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Nachdem meine kleine Schwester, aus ihrem Frankreich-Urlaub zurück, nur noch von Macarons geschwärmt hat, erbot ich mich, mit ihr zusammen die kleinen Dinger selber herzustellen. Die Freundin durfte nicht fehlen! Und so trafen wir uns voller Tatendrang an einem Samstagnachmittag in meiner Küche. Alles, was man für die Herstellung der Macaron-Schalen braucht, sind gemahlene Mandeln, Puderzucker, etwas normaler Zucker, Eiweiß und Farbe. Aber es geht schon damit los, dass Mandeln und Puderzucker portionsweise durch ein feines Sieb gesiebt werden müssen.

Ziemlich motiviert macht Julia sich ans Sieben. Ich, wissend aus Erfahrung, was auf uns zukommt, versuche sie drauf vorzubereiten. Aber sie lässt sich ihren Enthusiasmus nicht nehmen. Doch keine Portion später könnte sie Sieb und Löffel in die Ecke schmeißen. Ich habe mich köstlich amüsiert. Da wir zu dritt sind, können wir uns diese mühevolle Aufgabe teilen.

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Das Backen ist auch eine Kunst für sich. Nicht zu kurz und nicht zu lang; die Temperatur darf weder zu hoch, noch zu niedrig sein, dabei handelt es sich um kleinste Abweichungen.

Dagegen ist die Füllung ein Kinderspiel! Wir entscheiden uns für eine Ganache, ein mal mit Maracuja und ein mal mit Pistazien. Ganache ist nichts weiter als geschmolzene Schokolade verdünnt mit Sahne. Die Franzosen haben  für alles einen Namen und französisch klingt alles gleich so gehoben.

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Die erste Portion lässt sich schlecht vom Backpapier lösen, wahrscheinlich nicht lange genug gebacken. Aber bis auf ein paar Einzelne können wir alle retten. Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden. Sie sind nicht perfekt, aber sie sind weich und köstlich. Und das ist die Hauptsache!

 

Nachdem wir die Macarons akribisch aufgeteilt haben, macht das am Ende für jeden nicht so viele. Langsam dämmert’s einem, warum es die so selten und so teuer zu kaufen gibt.

 

Bis bald, Anna

PS: Leider habe ich nur Fotos von den gelben Macarons.

Ab in den Süden!

Ein La Palma-Eindruck wäre unvollständig, ließe man den Süden weg. Denn so wie der Norden üppig grün ist, so ist der Süden schwarz. Schwarz wie Vulkangestein. Die Landschaft ist so anders als alles, was ich bis hierher gesehen habe, dass ich mir denke: so muss es auf dem Mond aussehen. Die Rede ist vom jüngsten Vulkan der Insel. Aber zunächst fahren wir durch Pinienwälder, parallel zur Cumbre auf der einen Seite und dem Ozean auf der anderen Seite. Die Pinien sind stark vom Feuer beschädigt worden, denn immer wieder wird die Insel von Waldbränden heimgesucht. Doch die kanarische Pinie ist unverwüstlich. Dank ihrer dicken Rinde trotzt sie dem Feuer und treibt immer wieder neu aus. Wir halten an und machen ein paar Fotos, denn dieser Baum beeindruckt mich. Kann ich den Bränden meines Leben standhalten? Was lässt mich wieder neu austreiben?

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In Fuencaliente müssen wir nach rechts abbiegen und eine kurvenreiche Straße bringt uns ein Stück weit herunter zu dem Ausgangspunkt, an dem der Wanderweg zum Vulkan beginnt. Es will mir nicht in den Kopf, dass es hier nur einige wenige Parkplätze gibt und nur ein kleines bescheidenes Schild den Weg zu solch einer Einzigartigkeit weist. Anfangs befürchten wir, dass der Weg uns nicht dorthin führt, wo wir hin wollen. Aber da keine andere Möglichkeit ersichtlich ist, schreiten wir tapfer los, in der festen Überzeugung, dass sich sowohl Wasser als auch Proviant im Rucksack befinden. Nach einer Weile gelangen wir dann doch zu der Gewissheit, dass es der richtige Weg ist, denn es gesellen sich noch ein paar Wanderer dazu. Zunächst führt der Weg an niedrigen Weinstöcken vorbei, denn Vulkangestein soll besonders gut für die Trauben sein. Und in der Tat gibt es in dieser Gegend einige Weinkelltereien. Irgendwann ist dann aber nichts weiter um uns als nur Steine, so weit das Auge reicht. Unwillkürlich muss man an den Mond denken. Das, was im Reiseführer als 15 Min. Fußweg beschrieben ist, dauert in Wirklichkeit eine Stunde. Aber wir haben ja unser Lunchpaket dabei und wollen, sobald wir den Kraterrand erreicht haben, ein Picknick machen.

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Wir sind fasziniert! Wie oft bekommt man schließlich die Möglichkeit geboten, am Rand eines Vulkans zu stehen. Der Name des Vulkans ist Teneguia und 1971 spuckte er 23 Tage lang Lava und Asche. Und selbst heute kann man noch den Schwefel riechen.

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Mittlerweile ist es ziemlich heiß geworden. Die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel, der aufgeheizte schwarze Boden wärmt von unten und weit und breit kein Schatten. Wir sind sehr froh über unsere Hüte und unser Proviant… nur um dann feststellen zu müssen, dass wir das Essen in die Kühltasche gepackt haben. Lediglich eine halbleere Kekspackung findet sich auf dem Boden des Rucksacks und die zwei halbe-liter-Flaschen, aus denen wir schon unterwegs getrunken haben. Immerhin besser als gar nichts.

Der Rückweg dauert ja bekanntlich meist länger als der Hinweg, aber unmittelbar neben unserem Auto im Schatten der Bäume steht eine Sitzgruppe. Dort nehmen wir hungrig, erhitzt und müde Platz und verputzen unser Proviant aus der Kühltasche bis zum letzten Krümel.

Da wir schon mal in Süden sind, wollen wir uns auf keinen Fall die Salzgärten von Fuencaliente entgehen lassen. Sie befinden sich am südlichsten Punkt der Insel und der Wind bläst uns nur so um die Ohren. Wir spazieren ganz frei an den verschiedenen Becken entlang, studieren die Hinweistafeln und versuchen den komplizierten Vorgang der natürlichen Meersalz-Gewinnung zu verstehen.

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Als Geheimtipp haben wir von unserer Vermieterin den Hinweis bekommen, dass es in Fuencaliente in der „Bar Parada“ die besten Mandelkekse gibt. Es dauert ein wenig, bis wir in den verwinkelten Straßen die Bar ausfindig machen können. Wobei man sich unter Bar etwas ganz anderes vorstellen muss, als das was wir hier so unter Bar verstehen. Es erinnert eher an ein Bistro und ist sozialer Treffpunkt des Ortes. Auf der linken Seite der Bar hat sich eine Wandergruppe ausgebreitet, in der Mitte genießt ein Bauarbeiter seine Pause und wir verziehen uns rechts, sind völlig ungestört und alles ist sehr unkompliziert und entspannt. Auf der Theke liegen frisch verpackte Mandelkekse und die Tür dahinter lässt einen Blick in die Backstube erhaschen. Der ganze Raum hat eine besondere Atmosphäre, die ich nicht greifen kann, aber durchaus genieße. Mein Mann bestellt Kaffee und Mandelkekse. Sie sind wunderbar zart und fluffig, erinnern ein wenig an Macarons.

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Ich renne mit dem Fotoapparat durch den Raum und versuche die Atmosphäre einzufangen und schieße dabei mein absolutes Lieblingsbild.

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Ein schöner Abschluss für einen eindrucksvollen Tag!

Bis bald, Anna

Endlich!

Der Herbst sendet seine untrügliche Zeichen voraus: Nebel am Morgen, Blätter, die sich verfärben, Tage, die kürzer werden. Aber der Herbst und nur der Herbst hat eine solche Fülle an Früchten: Äpfel, Zwetschen, Birnen, Himbeeren von der späten Sorte, Kürbis, Kohl in allen Variationen, Möhren, rote Bete. Wer’s im Garten hat, wird die meiste Freude damit haben. Unübertrefflich ist bei uns dieses Jahr Apfelmus oder Apfelkompott. Die Äpfel bringe ich mir von Spaziergängen mit, die es am Wegesrand überall gibt. Es macht nichts, wenn sie unansehnlich und säuerlich sind. Geschält und kleingeschnitten kommen sie mit etwas Zucker in den Topf und innerhalb weniger Minuten ist das Mus fertig.

Endlich und doch noch rechtzeitig ist meine Strickjacke fertig geworden. Das Stricken war keine große Herausforderung, das Muster denkbar einfach: zwei rechts, zwei links; die Rückreihe wie die Maschen erscheinen; dann genau anders herum: zwei links, zwei rechts; die Rückreihe wie die Maschen erscheinen; und so weiter und so fort. Da ich mit Nadeln der Stärke Nr. 6 gestrickt habe, ging es ziemlich zügig voran. Und dann mussten die Teile zusammengenäht werden! Leute, ich hab bald zwei Wochen dafür gebraucht! Erstmal bis ich die richtige Technik herausgefunden hatte, denn Nähen ist nicht gleich Nähen. Gut, dass es dafür YouTube gibt! 😉 Mit den Ärmeln kam ich an den Rand der Verzweiflung. Endlich hatte ich sie drin, da war der eine breite wie der andere! Nach mehrmaligem Rein und Raus darf ich verkünden: die Jacke ist fertig!

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Dabei ist mein Enthusiasmus so richtig entfacht worden und ich habe mir prompt Wolle für das nächste Projekt gekauft, ich verrat nur so viel: sie ist rot. Der Winter ist schließlich lang. Aber zuerst wird alles weggestrickt, was sonst noch so alles im Korb liegt.

 

Bis bald, Anna

Ich geh Apfelmus kochen!

Manchmal!

Ein Blick in den Kalender bestätigt mir, dass heute der Geburtstag unseres Vaters gewesen wäre. 64 Jahre wäre er geworden. Doch seit 15 Jahren leben wir unser Leben ohne ihn. Manchmal befürchten unsere Tanten, wir würden unseren Vater vergessen. Dem ist nicht so und ich als die Älteste fühle mich manchmal verpflichtet, das Andenken an ihn wach zu halten. Wobei das gar nicht nötig ist, wir reden auch so von ihm, nur dass ich vielleicht die meisten Erinnerungen habe. Sein früher Tod hat uns alle geprägt, wir sind als Familie näher zusammen gerückt, wobei er stets den Zusammenhalt gefördert hat, und wer weiß, ob wir das, was wir geworden sind, auch sonst geworden wären. Den Vater zu verlieren, ist ein herber Verlust, aber mir scheint, Gott hat unseren Vater zwar zu sich genommen, aber uns als Familie umso reicher gesegnet. Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht verwehren, dass wir etwas Besonderes sind.

Manchmal würde ich gerne wissen wollen, was er über mein Leben sagen würde. Wäre er stolz auf mich? Was würde er dazu sagen, dass sein Sohn eine eigene Firma hat? Dass sein zweiter Sohn studiert hat? (Wahrscheinlich wäre er nicht überrascht, denn das war vorauszusehen 😉 ) Dass einige seiner Kinder die Initiatoren dafür waren, dass bei uns im Ort eine christliche Schule gegründet wurde? Dass seine Tochter Lehrerin geworden ist. Dass die Jüngste nach der Ausbildung ein Studium angefangen hat? Was würde er zu seinen Schwiegerkindern sagen? Und erst recht zu seinen Enkeln? Wäre unsere Entwicklung ihm eine Freude?

Manchmal sieht es so aus, als würde ich ihn zurück wünschen. Aber das tue ich nicht! Denn ich trauere nicht wie die, die keine Hoffnung haben. Vielmehr freue ich auf den Tag, wenn auch ich das Diesseitige verlassen und ins das Jenseitige gehen darf. Es gibt ein Leben nach dem Tod.

Manchmal beschleicht mich die Sinnlosigkeit des Daseins. Man wird geboren, wächst heran, hat Erwartungen an das Leben, macht Pläne, merkt irgendwann, dass das ganze Leben irgendwie nur aus Arbeitengehen besteht, freut sich auf die Rente, um dann endlich das Leben zu genießen, bekommt mit 65. einen Schlaganfall und stirbt. Und das war’s dann?

Wir wurden geboren, um in diesem Leben die richtigen Entscheidungen zu treffen, und dann im anderen Leben das Leben richtig genießen zu können! Ich freu mich drauf!

 

Bis bald, Anna